"Es lebe das Korn!"

Drei klassische Analogkameras für das Mittelformat 6x6 cm: Hasselblad SWC Supereitwinkelkamera mit Sucher, eine zweiäugige Rolleiflex 2,8 mit dem legendären 2,8/80mm Zeiss Planar sowie eine Hasselblad 503cx Spiegelreflexkamera mit 50mm Distagon

Digital Detox mit analoger Fotografie

In einer Ära, in der Megapixel und Algorithmen über die Bildqualität entscheiden, kehrt eine fast vergessene Ästhetik zurück: das Filmkorn. Bei Rolf Nachbar Fotografie & Design in Reichenberg verstehen wir Medienproduktion nicht nur als technisches Handwerk, sondern als bewusste Entscheidung für eine visuelle Sprache.

Warum also gerade jetzt „analog“? Weil es eine perfekte Antwort auf den digitalen Überfluss ist.

Die Technik hinter dem Korn: Chemie statt Pixel

Was digital oft als störendes „Rauschen“ empfunden wird, ist in der analogen Welt das Fundament des Bildes.

  • Silberkristalle: Das analoge Filmkorn entsteht durch lichtempfindliche Silberhalogenid-Kristalle in der Emulsion des Films. Durch die Belichtung wandeln sich diese in der Entwicklung in metallisches Silber um.

  • Struktur & Haptik: Im Gegensatz zu den gleichmäßigen, quadratischen Pixeln eines digitalen Sensors sind die analogen Kornstrukturen zufällig verteilt. Das verleiht dem Foto eine fast greifbare Textur und eine organische Tiefe.

  • Filmtypen & Charakter: Jeder Film hat seine eigene DNA. Ein feinkörniger Film (z.B. ISO 100) liefert scharfe Details für die Architekturfotografie, während ein hochempfindlicher Film (z.B. ISO 400 oder 1600) ein ausgeprägtes, atmosphärisches Korn zeigt, das gerade Schwarz-Weiß-Aufnahmen eine zeitlose Dramatik verleiht.

Die emotionale Seite: Digital Detox im 36er oder 12er-Takt

Die analoge Fotografie ist weit mehr als nur ein technisches Verfahren – sie ist eine Form der Achtsamkeit.

  1. Bewusstes Handeln: Das Wissen nur 36 Aufnahmen in KB oder nur 12 auf Rollfilm zur Verfügung haben, verändert den Workflow. Man drückt nicht mehr wahllos ab, sondern wartet auf den perfekten Moment, man komponiert sein Bild in Ruhe und Achtsamkeit.

  2. Abwesenheit des Displays: Das Fehlen der sofortigen Bildkontrolle („Chimping“) befreit den Geist. Man bleibt im Moment präsent, anstatt sofort das Ergebnis zu bewerten.

  3. Die Magie des Wartens: Der Prozess von der Belichtung über die chemische Entwicklung bis zum fertigen Print (z.B. als FineArt Print ins 12 Farben Pigmentdruck in unserem Studio) schafft eine tiefe Verbindung zum eigenen Werk.

Handwerk trifft Moderne

Obwohl wir bei Rolf Nachbar modernste digitale CGI-Visualisierungen und High-End-Postproduktion anbieten, ist die Besinnung auf das Korn kein Rückschritt sondern eine Erweiterung der Stilmittel. Es ist eine Hommage an die visuelle Kompetenz, die dort beginnt, wo Licht auf Materie trifft [1].

“DigiLog” Workflow

Unser einzigartiger “DigiLog” Workflow bildet die Brücke zwischen der analogen und der digitalen Welt. Analoge s/w Negative werden optisch mit einem monochromen Aufnahmesystem digitalisiert: keine Einschränkungen durch Bayerfilter, keine Farbsäume in den Lichtern, tiefe und durchgezeichnete Schatten - mehr kann man nicht aus einem Negativ holen. Farbige Negative und Dias digitalisieren wir mit dem einzigartigen Imacon Flexthigt Scanner der über eine virtuelle Trommel verfügt. Bei der Ausgabe auf Papier setzen wir voll auf den 12-Farben Pigmentdruck in Museumsstandart. Alternativ arbeiten wir an einem neuen Prozeß für perfekte chemische Silber-Gelatine Prints. Dazu mehr in naher Zukunft.

Analoge Fotografie ist unser Plädoyer für das Echte in einer digitalen Welt. Es lebe das Korn! Es lebe die Fotografie.

Source: www.nachbar.de